Während du dein Manuskript fertigstellst, denkst du natürlich in erster Linie an eins: das Schreiben. Und auch wenn die Arbeit im nächsten Schritt hauptsächlich bei deiner Lektorin oder deinem Lektor liegt, gibt es ein paar Schritte, die du beachten solltest, bevor du dein Manuskript ins Lektorat gibst.

1. Organisatorisches

Zuallererst solltest du dir klarmachen, dass eine dir fremde Person deinen Text lesen und ihm neben positivem sicherlich auch kritisches Feedback geben wird. Dein Manuskript enthält viel von dir und du hast lange daran gearbeitet. Deshalb solltest du sichergehen, dass dir deine Lektorin oder dein Lektor sympathisch ist, du Vertrauen zu ihr oder ihm hast und eure Arbeitsweisen zusammenpassen. Hierzu bieten viele Lektoren ein kostenloses Probelektorat an.

Überlege dir im nächsten Schritt, welche Aspekte dir besonders am Herzen liegen und welche Informationen wichtig für deine Lektorin oder deinen Lektor sind, bevor die Arbeit beginnt. Das könnte etwa sein:

  • Inhaltliche Ungereimtheiten: zum Beispiel eine noch nicht ausgereifte Figurenmotivation oder ein Handlungsfaden, den du nicht zufriedenstellend mit der restlichen Geschichte verknüpfen kannst.
  • Stilfragen: zum Beispiel ein Kapitel, dem es an Tempo fehlt.
  • Bewusste Entscheidungen: Gibt es Stellen, die ungewöhnlich wirken, weil du sie genau so geschrieben hast? Etwa eine Figur, die eigenartig spricht, oder eine Frage, die erst im nächsten Teil aufgeklärt werden soll?
  • Fachliches Vorwissen: Gibt es Themen, in die sich deine Lektorin oder dein Lektor vor der Arbeit einlesen sollte?
  • Zielgruppe: Schreibst du bewusst für eine bestimmte Zielgruppe oder möchtest du dein Manuskript noch stärker auf sie zuschneiden?
  • Deadline: Bis wann benötigst du das bearbeitete Manuskript?

Mache dir dazu entweder eine kleine Liste oder markiere die entsprechenden Stellen direkt in der Textdatei.

Noch eine persönliche Anmerkung: Wenn du ein Exposé oder eine Synopse mitschicken möchtest, hilft mir das, mich auf den Text einzustellen. Verrate mir dabei aber am besten nicht das Ende oder entscheidende Wendungen. Ich lese zwar mit dem professionellen Blick einer Lektorin, möchte aber auch erleben, wie das Buch auf mich als Leserin wirkt. Spannung, Überraschungen und Vorhersehbarkeit kann ich nur wirklich beurteilen, wenn ich nicht vorher schon weiß, was passiert. Das ist meine persönliche Meinung, andere Lektor:innen sehen das vielleicht anders.

2. Inhaltlich

Lass deinen Text nach dem Fertigschreiben erst einmal etwas ruhen. Schau ihn dir nach ein paar Tagen wieder an und überarbeite die Fehler, die dir selbst auffallen und die du leicht beheben kannst. Wenn du den Text so abgibst, kann sich deine Lektorin oder dein Lektor besser auf die Aspekte konzentrieren, bei denen du wirklich Hilfe von außen benötigst.

Gleichzeitig ist es wichtig, dass du dir keine Sorgen machst, ob dein Text „gut genug“ ist, um ihn ins Lektorat zu geben. Wenn du dir diese Frage stellst, ist er es wahrscheinlich schon.

3. Formal

  • Formatiere deinen Text am besten auf Normseiten. So lässt sich der Umfang deines Manuskripts besser einschätzen und du bekommst eine klarere Vorstellung von den voraussichtlichen Kosten.
  • Füge Seitenzahlen und Kapitelüberschriften ein. So können wir uns leichter über bestimmte Stellen austauschen.
  • Achte auf nachvollziehbare Absätze und eine einheitliche Dialogformatierung. Dabei musst du dich weder an eine bestimmte Norm halten noch deinen Text so formatieren, wie er später im gedruckten Buch aussehen soll. Wichtig ist, dass er sich gut lesen lässt und die Struktur deiner Geschichte erkennbar bleibt.
  • Am besten verschickst du deinen Text als .docx-Datei. Falls das für dich nicht möglich ist, sind auch .pages oder .odt in Ordnung.

Und zuletzt: Mach dir keinen Stress!

Sei nicht frustriert oder überwältigt davon, wie viel Arbeit diese Liste auf den ersten Blick macht. Dein Text muss nicht schon poliert sein, bevor du ihn ins Lektorat gibst. Und das meiste auf dieser Liste hast du wahrscheinlich ohnehin schon beim Schreiben oder bei der Entscheidung, nach einer Lektorin oder einem Lektor zu suchen, erledigt.

Denk an das, worauf du hinarbeitest: deinen Text so zu gestalten, wie du ihn deinen Leser präsentieren möchtest. Und das ist ein Grund, sich zu freuen. :)